März 5

Long COVID Behandlung: So findest du die passende Hilfe - selbst wenn du heute noch völlig verzweifelt bist

Keiner weiß was. Jeder hat was! Sei es ein kluger Ratschlag oder ein hochpreisiges Angebot, das dich angeblich in wenigen Wochen heilen kann.

Als h√§ttest du selbst noch nichts ausprobiert! 

Du musst ja nur wollen. Du musst dich nur genug anstrengen. Du brauchst nur die richtige Einstellung. Eine Affirmation. Drei Worte nur.

Und w√§hrend du das liest, hat es dich schon wieder erwischt! 

Dir tut der Kopf weh. Du bist völlig erschöpft. Du kriegst keine Luft mehr. Deine Symptome verschlimmern sich wegen Peanuts.

Und dann?

Fangen wir doch erst mal vorne an. 

Du bist schlecht belastbar. Es gibt vielfältige Angebote und Tipps. Du weißt nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Dabei ist deine größte Angst, dass alles so bleibt, wie es ist. Oder der größte Horror: Es wird sogar noch schlimmer.

Die unterschiedlichen neuen Therapieans√§tze verunsichern dich. Daher zeige ich dir in diesem Artikel meinen Blick auf die Behandlungsm√∂glichkeiten von Long COVID und ME/CFS. Am Ende erkl√§re ich dir auch, was du selbst zu hause tun kannst. Oder bist du gerade v√∂llig verzweifelt? Dann bleib auf jeden Fall bis zum Ende dran. 


Nicht ignorieren: Diese x Anzeichen bedeuten, dass du zum Arzt solltest!

Hast du die Diagnose Long COVID schon erhalten? Oder stehst du noch ganz am Anfang?


Diese Anzeichen solltest du länger als Wochen nach einer COVID-19 Infektion nicht hinnehmen:

  • Du bist m√ľde und schlapp.
  • Du belastest dich nur leicht und alles wird schlimmer.
  • Wenn du aufstehst, schl√§gt dein Herz heftig.
  • Du kannst dich kaum b√ľcken, ohne dass dir schwindelig wird.
  • Du kriegst kaum Luft und der Husten geht nicht weg.


Lass diese Symptome unbedingt vom Arzt abkl√§ren. Sprich: Diagnostiziere dich nicht selbst! 

Das ist wichtig, weil du am Anfang die Folgen deiner Erkrankung noch nicht absehen kannst. 

Wenn du diesen Beitrag liest, hast du die Diagnose vielleicht schon ein paar Wochen, Monate oder sogar Jahre. Dann sieht die Sache vielleicht anders aus. Du warst schon unzählige Male beim Arzt.

Doch wie geht es jetzt weiter? Es muss doch irgendwie weitergehen!


Deine Waffe gegen Long COVID: Medikamente, die dir helfen können

Nimmst du schon Medikamente? Wenn sich dein Zustand nach der Corona-Infektion √ľber Wochen und Monate nicht bessert, dann vielleicht schon. Bei Schmerzen ist dies meistens selbstverst√§ndlich.

Inzwischen gibt es sogenannte Off-label Medikamente. Diese sind eigentlich f√ľr andere Erkrankungen gedacht. M√∂glicherweise sind sie aber auch gegen deine Symptome hilfreich. Sprich mit deinem Arzt dar√ľber, was f√ľr M√∂glichkeiten es gibt und welche f√ľr dich sinnvoll sein k√∂nnen.

Da ich Physiotherapeutin bin, kann und darf ich hierzu keine n√§heren Angaben machen und dich beraten. 


Diese anderen therapeutischen Verfahren versprechen Hoffnung: Können Sie sie aber auch halten?

Bei jeder Behandlung muss man Kosten, Nutzen und Risiko gegeneinander abw√§gen. Viele Long COVID Erkrankte hoffen darauf, dass es eine Therapie geben wird, die ihre Beschwerden restlos beseitigt. Bisher scheint es keine wissenschaftlich √ľberzeugende Therapie zu geben.

Das Problem bei Long COVID ist aber derzeit, dass die Ursache nicht klar ist. 

Es ist m√∂glich, dass dein K√∂rper auch √ľber drei Monate nach der Corona-Infektion:

  1. in einzelnen Organen gegen den Corona-Virus kämpft,
  2. andere Viren abwehren muss, die während des Infekts aktiviert wurden,
  3. einen niedrigen Blut-Sauerstoffgehalt hat,
  4. √ľber ein geschw√§chtes Immunsystem verf√ľgt,
  5. auf die √ľberschie√üende Reaktion des Immunsystems einwirken muss,
  6. Durchblutungsstörungen in den kleinen Blutgefäßen hat und/ oder
  7. das Bindegewebe geschwächt ist.


Solange nicht geklärt ist, woher deine Symptome kommen, kann eine Therapie, die auf die Ursache einwirken soll, nur ausprobiert werden

Trotzdem gibt inzwischen viele Kliniken, √Ąrzte und andere Anbieter, die eine Besserung versprechen. Bedenke, dass die Methoden √ľberwiegend experimentell sind. Es kann wirken, muss aber nicht. Und es wirkt auch nur, wenn die Therapie zu der Ursache passt, die du ja derzeit noch nicht kennst.

F√ľr viele Therapiema√ünahmen ist die Studienlage noch d√ľnn. Die Ergebnisse beruhen auf Erfahrung. Und einige Methoden haben auch Risiken.


Diese Methoden werden häufig genannt:

  • Gabe von intraven√∂sen Immunglobulinen  
  • Plasmapherese/ Blutw√§sche (bisher kein Beweis der Wirksamkeit)
  • Sauerstoffbehandlung (Wirkung unklar)
  • Immun- Aphrese (Wirkung unklar)
  • Magnetfeldtherapie
  • K√§ltetherapie/K√§ltekammer
  • Darmsanierung
  • Nahrungserg√§nzungsmittel (NEM)


Fit werden nach Long COVID: Rehabilitation, die dir hilft, wieder auf die Beine zu kommen

Wenn du wegen Corona im Krankenhaus auf der Intensivstation warst, bist du vermutlich im Anschluss in der Reha gewesen.

Hattest du nur einen milden Verlauf? Die Probleme traten erst danach auf? Du kannst seitdem nicht mehr arbeiten? Oder es verbessert sich einfach nichts? Dann kann dir eine Reha helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

Zu den Rehama√ünahmen gibt es unterschiedliche Erfahrungen im Netz. Anfangs wurden manchen Erkrankten, die unter Belastungsintoleranz litten, aus Unwissenheit √ľberfordert. Sp√§ter wurde es dann besser. Die Erwartungen an eine Reha sind hoch. Das liegt auch daran, dass der Zustand f√ľr Viele kaum zum Aushalten ist.

Doch mal ehrlich: Deine Belastbarkeit ist niedrig und dein K√∂rper braucht lange, um sich zu erholen. Deshalb kannst du nur wenig mitmachen. Was soll sich dann innerhalb von ein paar Wochen ver√§ndern? 

Eine Reha ist schnell zu kurz. Daher ist es wichtig, dass du dir viele Tipps mitnehmen kannst. Damit kannst du zu Hause besser zurechtkommen.


Zur√ľck ins Leben: Wie ambulante Versorgung dich unterst√ľtzt

Auch zu Hause gibt es einige M√∂glichkeiten, die dir helfen k√∂nnen, fitter zu werden. Was notwendig ist, h√§ngt von deinen pers√∂nlichen Problemen, Bed√ľrfnissen, Zielen und nat√ľrlich deiner Belastbarkeit ab. 

Kannst du das Haus verlassen oder bist du dann schon √ľberfordert?

Bist du in der Lage, vom einem Therapeuten zu profitieren, der zu dir nach Hause kommt?


Abhängig davon können folgende ambulante Therapien und Maßnahmen sinnvoll sein:

  • Physiotherapie
  • Logop√§die bei Sprech- und Schluckst√∂rungen
  • Ergotherapie (kognitives Training, Schulung der Feinmotorik)
  • Rehasport/ Funktionstraining (F√∂rderung der Belastbarkeit)
  • Verhaltenstherapie (Coping-Strategien, Schmerzbew√§ltigung, besserer Umgang mit der Erkrankung, Stressreduktion)


Was kann dir bei Long COVID Physiotherapie bieten?

  • Atemtherapie
  • Entspannungs√ľbungen
  • Faszientraining
  • Gangschule
  • Gleichgewichts√ľbungen
  • Anpassung von Kompensationsstrategien und Verhaltensaspekte


Mit folgenden 4 Punkten habe ich außerdem gute Erfahrungen gemacht:

  • Achtsame Ganzk√∂rper√ľbungen
  • smovey-√úbungen
  • Funktionsorientiertes Training
  • Pacing im Training einzubauen


Dein Plan f√ľr Zuhause: Tipps und Tricks, um selbst aktiv gegen Long COVID anzugehen

Eine anhaltende Überbelastung kann die Symptome erhalten. Das heißt aber nicht, dass du nichts mehr tun solltest.

Halte dich an die 3 P-Regel

Pacing, Planen, Priorisieren!


Pacing wird bei Belastungsintoleranz angewendet. Eine √úberbelastung solltest du unbedingt vermeiden. Das bedeutet, dass du deine Energie gut einteilst. Mache regelm√§√üig Pausen. Bewege dich z. B. auch langsamer. 


Indem du deinen Tag planst, kannst du deine Energie besser nutzen. Das kann dir beim √úben helfen, aber auch im Alltag. 

Beispiel einer Mini-Trainingseinheit: Du machst weniger als eine Minute mit den smoveys kleine Ausfallschritte, dann bleibst du stehen und machst f√ľr ein paar Schw√ľnge den Brust√∂ffner. Zum Schluss schwingst du locker um dich herum.

Beispiel Alltag: Du bringst einen Korb Wäsche nach oben, indem du den Korb zwischendurch auf den Stufen absetzt. Oben setzt du dich hin und sortierst im Sitzen einen Teil der Wäsche ein.


Priorisieren ist deshalb wichtig, weil du auf die Art und Weise nat√ľrlich nicht alles schaffen kannst. Der Tag ist schnell rum. Alle Aufgaben l√§ngst nicht bew√§ltigt. 

√úberlege dir daher, was dir wirklich wichtig ist. 

Ich habe f√ľr mich eine einfache Regel gefunden: Alles, was stinkt zuerst


Beispiele:

M√ľll stinkt. Dreckige W√§sche stinkt. Wenn ich nicht beim Pferd war, stinke ich. Und meine Kinder sind stinkig, wenn sie nichts zu essen hatten.

Was stinkt bei dir zuerst?


Wenn es dir etwas besser geht, kannst du dich nat√ľrlich auch fragen, worauf w√§re ich heute stolz? Oder was w√ľrde mir heute eine Freude machen und mehr Energie geben?

Mit dieser Strategie kannst du langsam besser im Alltag zurechtkommen. Es ist gleichzeitig ein funktionelles Training.


Wie kannst du deine Belastungsgrenze definieren?

Achte auf deine Symptome. Werden sie mehr? Hast du grippe√§hnliche Symptome? Werden die Schmerzen - egal ob konkret im R√ľcken oder allen sogar in allen Muskeln oder Gelenken - mehr? Sind deine Arme oder Beine schwer oder eher im Gegenteil? F√ľhlen sie sich weich an und irgendwie zittrig? Merkst du, dass der Gehirnnebel st√§rker wird?

Das alles wären schon Anzeichen einer Überforderung. Versuche, diese Anzeichen zu vermeiden. Bleibe möglichst wertfrei und versuche dich nicht aufzuregen.

Ja, das ist leichter gesagt als getan. Doch Aufregung und Stress verst√§rken die Symptome. 


Hilfreich kann es auch sein, nach messbaren Dingen zu suchen. Du kannst z. B. deinen Puls messen und eine Herzfrequenz festlegen, die du nicht √ľberschreiten willst. 

Auch festgelegte Strecken oder die Dauer einer Tätigkeit kann dir helfen. Ebenso können dir Routinen Sicherheit geben.


Mein Tipp f√ľr deine Behandlung

Dein Hausarzt ist dein erster Ansprechpartner. Fach√§rzte und andere Long COVID-Experten k√∂nnen die Behandlung erg√§nzen. Leider gibt es bis heute noch keine wissenschaftlich erwiesene Therapieempfehlung. Es hat sich gezeigt, dass Pacing sehr wichtig ist. 

Doch wie kannst du dieses richtige Ma√ü finden und Schritt f√ľr Schritt leistungsf√§higer werden?


Lerne, wie du Schritt f√ľr Schritt besser mit Long COVID leben kannst. Hole dir einfach Regeln zum Kennenlernen.